Selig (wir) Armen. Ein Tag zum Perspektivwechsel

19.11.2023

An diesem Sonntag wird weltweit der Tag der Armen gefeiert. Er wurde 2016 von Papst Franziskus ins Leben gerufen und soll daran erinnern, dass es „keine Gerechtigkeit noch sozialen Frieden geben kann, solange Lazarus – der Arme – vor der Tür unseres Hauses liegt“. Ein Rückblick zum Jahresende, der zu Entscheidungen für Veränderungen führen kann.

Papst Franziskus warnt vor der Gewohnheit, die „Armen“ als bloße Objekte der Wohltätigkeit der „Reichen“ zu betrachten. „Denken wir also an die Armen nicht nur als Empfänger eines wohltätigen, einmal in der Woche zu verrichtenden Freiwilligendienstes oder von improvisierten Gesten des guten Willens, um unser Gewissen zu beruhigen. Diese Taten sind zwar wertvoll und helfen uns durchaus, auf die Bedürfnisse unserer Brüder und Schwestern sowie auch auf die Ungerechtigkeiten, die oftmals zu ihrer Situation führt, zu achten. Letztendlich sollten sie uns jedoch zu einer wirklichen Begegnung mit den Armen führen und der Haltung des Teilens Raum geben, die zum Lebensstil werden soll.“

Im Mittelpunkt steht nicht der Zustand der Armut, sondern die Person, der man begegnet. In der authentischen Begegnung erkennen sich beide, der Geber und der Empfänger, als „arm“ an. Sie berühren eine große Wahrheit: Niemand ist sich selbst genug. Jeder braucht jeden anderen. Wenn die Armut eine gemeinsame Erfahrung ist, dann führt der Reichtum der Gaben natürlich auch zum Teilen.

„Wir sind also gerufen, den Armen die Hand zu reichen, ihnen zu begegnen, in ihre Augen zu schauen, sie zu umarmen, sie die Wärme der Liebe spüren zu lassen, die den Teufelskreis der Einsamkeit zerbricht. Die Hand, die sie ihrerseits uns entgegenstrecken, ist eine Einladung, aus unserer Sicherheit und Bequemlichkeit auszubrechen. Sie lädt uns ein, den Reichtum zu erkennen, den die Armut in sich selbst bereithält.“ Aus unseren Sicherheiten und Bequemlichkeiten heraustreten. „Wende dein Angesicht von keinem Armen ab.“

Dass Armut ein Wert ist, ist eine Aussage, die diejenigen, die nicht in die Tiefe gehen können oder wollen, vielleicht zum Schmunzeln bringt (oder sie irritiert). Aber sie ist ein Wert: Sie ist der Schlüssel, um unser Leben wieder in die Hand zu nehmen und es als Geschenk zu sehen. Ein Geschenk, das wir zu teilen haben.

Selig sind die Armen.

(Übersetzung aus QuiMedia, 16.11.2023)

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