Caritas – 3.2020
Was bedeutet „sozial“? Eine mögliche Definition (nach Duden): etwas, was dem Gemeinwohl, der Allgemeinheit dient. Etwas, was die menschlichen Beziehungen in der Gemeinschaft regelt und fördert und den Schwächeren schützt. Ist das „typisch weiblich“? Wahrscheinlich nicht. Frauen und Männer, jede und jeder nach ihrer/seiner Art, sind gleich in der Lage, sich im Dienste am Menschen im Hinblick auf das Gemeinwohl zu engagieren, gute Beziehungen in der Gemeinschaft oder in der Gesellschaft zu knüpfen und zu pflegen, sich für die Schwächeren einzusetzen.
Frauen sind sicherlich sozial. Dazu gehören das Handeln und das Zuhören. Der Evangelist Lukas, nachdem er das Gleichnis des barmherzigen Samariters erzählt hat, berichtet von einer Episode im Leben Jesu (Lk 10,38-42), die gerade zwei Frauen betrifft. „Er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden“.

Wer ist sozialer? Marta oder Maria? Beides ist wichtig, das Handeln und das Zuhören. Lasst uns ein handelndes Zuhören wählen! Aus diesem Grund wird das neue Caritas-Haus in Meran „Marta&Maria“ heißen. Es soll ein Ort des Zuhörens sein und ein Ort des sozialen Handelns. Ein Ort der guten Beziehungen, der Förderung des Gemeinwohls, des Dienstes am Menschen und des Schutzes der Schwächeren.
Dass die Frau eine besondere Rolle in der Gesellschaft hat und haben soll, wird von Papst Franziskus in seinem apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium (N. 103) klar unterstrichen. „Die Kirche“, schreibt er, „erkennt den unentbehrlichen Beitrag an, den die Frau in der Gesellschaft leistet, mit einem Feingefühl, einer Intuition und gewissen charakteristischen Fähigkeiten, die gewöhnlich typischer für die Frauen sind als für die Männer. Zum Beispiel die besondere weibliche Aufmerksamkeit gegenüber den anderen, die sich speziell, wenn auch nicht ausschließlich, in der Mutterschaft ausdrückt“.
Sozialer Einsatz bedeutet auf kirchlicher Ebene, sich um die Entwicklung der Gemeinschaft zu kümmern. „Ich sehe mit Freude – schreibt Franziskus – wie viele Frauen pastorale Verantwortungen (…) ausüben, ihren Beitrag zur Begleitung von Einzelnen, von Familien oder Gruppen leisten und neue Anstöße zur theologischen Reflexion geben. Doch müssen die Räume für eine wirksamere weibliche Gegenwart in der Kirche noch erweitert werden“. Denn, meint er noch, „das weibliche Talent ist unentbehrlich in allen Ausdrucksformen des Gesellschaftslebens“.
Die Gesellschaft braucht den Einsatz aller, Frauen und Männer. Frauen sind vielleicht an sich nicht unbedingt „sozialer“. Trotzdem sind sie oft diejenigen, die einen wesentlichen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt leisten, ohne dabei nach Machtpositionen zu suchen.