Katholisches Sonntagsblatt – 17.11.2019
Warum greift die Einsamkeit immer mehr um sich? Sie ist die Folge persönlicher, aber auch gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen.
Im vergangenen Jahrhundert hat sich die sogenannte Konsumgesellschaft immer mehr verbreitet. „Diese Wirtschaft tötet“, ist Papst Franziskus überzeugt. Dieses „Töten“ zeige sich wie folgt: „Der Mensch wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die ‚Wegwerfkultur‘ eingeführt.“ Das zerstört Beziehungen und schafft Einsamkeit.

Ein weiteres Phänomen unserer Zeit ist der politische Isolationismus. Jedes „Volk“ lebt für sich allein, alle sind gegeneinander, es gibt kein Europa der Menschenrechte, keine gemeinsame Politik im Sinne des Gemeinwohls. Zusammenhalt baut sich einzig auf Ängsten auf, nationalem Egoismus, dem Recht des Stärkeren. Wer da nicht dabei ist, ist draußen. Das erzeugt viele einsame, schwache Menschen.
Eine dritte Ursache für die zunehmende Einsamkeit ist die Überzeugung des einzelnen, sich selbst zu genügen. Wir sind sicher, den anderen nicht nötig zu haben. Wir leben als ob es den anderen nicht gäbe und dann ist man plötzlich nicht nur allein (was oft sogar gesund ist), sondern einsam.
Wir aber sind Menschen: Wir sind geschaffen, um zu lieben und geliebt zu werden.