Caritas – 3.2018
In der Freiwilligenarbeit ist der „Wille“ an sich ein sehr wichtiges Element. „Freiwillig“: Dieses Wort bedeutet, dass ich mich für etwas „frei“ entscheide. Und das geschieht, weil ich es eben so „will“.
In einer Zeit, wo die meisten sich vom Strom der Konsumgesellschaft, des Populismus und der Gleichgültigkeit treiben lassen, wird der freie Wille des Einzelnen zu einer Frage des Mutes. Mutig ist, sich frei für den Dienst am Menschen zu entscheiden. Mutig ist, es unentgeltlich zu machen, d.h. ohne einen Gewinn davon für mich zu erwarten. Mutig, weil das eben gegen den Strom geht. Das setzt das Bewusstsein voraus, dass alles, was wir haben, uns geschenkt wurde. Wir wurden beschenkt, damit wir alles, was wir haben und sind weiterschenken. So werden wir nicht ärmer, sondern reicher. Unser Leben bekommt einen Sinn. Unser Leben wird durch die Liebe (durch das freie Schenken) „ewig“. Unser Leben wird „gut“.

Insofern ist der „gute Wille“ absolut wichtig, d.h. der Wille, etwas Gutes zu tun. Besser: etwas zum Wohle des Anderen tun. Für den Anderen, besonders für den Ärmsten, da zu sein, damit unser gemeinsames Dasein besser wird. Unter dem Ausdruck „Menschen guten Willens“ verstehe ich Menschen, die das Gute wollen (und zwar für alle), Menschen, die sich frei(willig) für das Gute entscheiden.
Wenn wir nun das Gute tun wollen, und nicht einfach als Reaktion auf unsere Emotionen, nicht um uns selber in einer Beziehung zu behaupten, nicht aus ideologischen Gründen oder aus schlechtem Gewissen… wenn wird das Gute tun wollen, dann müssen wir es eben „gut“ tun.
Aus dieser Sicht ist der gute Wille unbedingt nötig, aber er reicht nicht. Um das Gute gut zu tun, muss ich mir einige Fragen stellen. Mindestens die drei folgenden: Für wen mache ich das? Kann ich es überhaupt? Mit wem mache ich es?
Für wen mache ich das? Da muss ich mich selber hinterfragen. Es ist nicht einfach. Ich sollte mir bewusst werden, ob mein guter Wille ehrlich ist. Ob ich meinen Dienst wirklich „frei“ leiste, vor allem frei von anderen Problemen, auf die ich damit vielleicht eine Antwort suche. Wenn die Gründe meines Einsatzes mir selber nicht klar sind, besteht die Gefahr, andere in ungute Situationen zu bringen, anstatt ihnen behilflich zu sein. Da helfen Gespräche, Supervisionen, Teamarbeit.
Kann ich es überhaupt? Jeder Dienst, jede Arbeit, braucht Kompetenz. Möchte ich kochen, stricken, Sprachen beibringen? Ich sollte das, was ich tun will, auch gut können. Aus diesem Grund werden immer wieder Weiterbildungen für Freiwillige angeboten. Damit unser Helfen auch wirklich hilfreich sein kann.
Mit Wem mache ich es? Vor allem im sozialen Bereich ist man als Freiwillige nie allein. Man hat immer jemanden gegenüber oder daneben. Man ist mit anderen auf dem Weg. Alleingänger sind für einen „guten Dienst am Guten“ nicht geeignet. Freiwillig tätig sein bedeutet, andere begleiten und sich von anderen begleiten zu lassen. Mit Mut und Demut. Groß wird vor allem, wer das eigene Klein-Sein ehrlich und mit Freude anerkennen kann.